indimiddäbiddä

Passt ideal in die festlich-besinnliche Zeit. Den Anfang fand diese Geschichte aber schon im Sommer.

Als Neu-Ankömmling, erst zeitweise vor Ort und entsprechend wenig vertraut mit den örtlichen Gepflogenheiten und der Aussprache, steuerte ich eines Sommer-Tages den Netto-Laden in meiner Nähe an. Nicht, dass ich im entferntesten daran denken würde, dort regelmässig einzukaufen. Zu grottig die Erscheinung, zu unaufgräumt die Präsentation, zu lappig das Grünzeug, zu unappetitlich das Fleisch. Doch Netto hat einen „USP“, wie Marketingleute zu sagen pflegen, der mich überzeugt:

Netto verkauft Cremesso-Kaffekapseln und Cremesso-Kapselmaschinen. Und als Besitzer einer Schweizer Delizio-Kapselmaschine habe ich schnell begriffen, dass die Cremesso-Produkte von Delica aus der Schweiz kommen und in Deutschland statt Delizio einfach Cremesso heissen. Und einen anderen Preis haben: In der Schweiz kostet eine Kapsel des Delizio Espresso Classico umgerechnet gut 41 Cent, in Deutschland das gleiche Produkte unter dem Namen Cremesso knapp 25 Cent. Es fällt jedoch nicht auf den ersten Blick auf, denn die Packungen kosten in der Schweiz nur etwa 10-15% mehr als in Deutschland. Delizio in der Schweiz liefert dafür nur 12, Cremesso in Deutschland hingegen 16 Kapseln. Wer sagt da etwas von schlitzohrigen Schweizern?

INDI – was?

Zurück zu Netto, der je nach Laden eine passable bis gute Auswahl an Cremesso-Kapseln bietet. Einzig beim DeCaf hapert es immer wieder. Ich lief also mit meinen vier Kapsel-Schachteln Richtung Ausgang und reihte mich ordungsgemäss an einer Kasse ein. Dann erhaschte ich den Blick der Kassiererin. Wobei es sich eher wie ein Scannen anfühlte und mit einem vernichtenden Blick quittiert wurde. Der Scan-Prozess schien nicht zufriedenstellend ausgefallen zu sein, denn die Augen der Kassierein begannen zu funkeln, sie setzte einen äusserst unwilligen Gesichtsausdruck auf und brüllte mir entgegen:

„INDIMIDDÄBIDDÄ!!!!!“

Was? Wie bitte? Etwas irritiert schaute ich an mir herunter. War ich irgendwie schmutzig? Das hätte sein können, renovierte ich doch gerade eine Küche. Oder stand mein Hosenladen offen? Oder gab es etwas anderes, was einen derart vernichtenden Blick und markerschütternden Ausruf gerechtfertigen würde? Nichts dergleichen konnte ich erkennen.

Dann versuchte ich das „indimiddäbiddä“ zu deuten. Ich machte wohl eine eher erbärmliche, hilflose Figur, da ich wie angewurzelt stehen geblieben war. Scannendes Funkelauge kam mir dann doch netterweise ( ! ) zu Hilfe und gab mir mit einem theatralisch überdeutlichen Kopfnicker zu verstehen, dass ich mich an der anderen Kasse anstellen solle. Aha. Dieser Netto hat drei Kassen (Erkenntnis 1) und indimiddäbiddä soll wohl heissen, dass ich mich an der mittleren (Erkenntnis 2) der drei Kassen anstellen soll. „In die Mitte, bitte“ also. Noch immer verwirrt bezahlte ich beim äusserst zuvorkommenden schwulen Netto-Kassierer meine Cremesso-Kapseln und zog von dannen.

Weihnachten

Meine Delizio-Maschine hat schon seit vielen Wochen zwei Zipperlein. Die Kaspeln werden nicht mehr richtig durchstochen, ich muss den Kapselhebel mehrfach öffnen und mit Verve schliessen, damit überhaupt etwas Kaffee aus der Maschine pielt. Dann wird sie auch noch inkontinent. Aber sie ist ja nun auch schon 5 Jahre alt und gut gebraucht.

Hin zu „meinem“ Netto. Da gab es zur Weihnachtszeit eine Maschine im Angebot. Aber leider standen keine mehr im Regal. Also habe ich mich nach einer der rotgewandeten Angestellten umgeschaut – und treffe natürlich auf SIE: Scannendes Funkelauge.

Ich setze mein charmantestes Lächeln auf und frage – etwas unsicher – Scannendes Funkelauge nach der Maschine. Oje, ich werde wieder gescannt. Unwillkührlich erwartete ich ein britzelndes Geräusch, wie es in schlechten Science-Fiction-Filmen beim Scannen zu hören ist. Aber das Ergebnis schien Scannendes Funkelauge zufrieden zu stellen. Ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen wandte sie sich ab. Ich wollte gerade einen mitleiderweckenden Dackelblick aufsetzen und mich nochmals zu Wort melden. Da spricht sie unvermittelt in ihr Drahtlos-Telefon. Und sie macht den Menschen am anderen Ende der Leitung ziemlich rund. Deutlich schärfer, als „INDIMIDDÄBIDDÄ“.

Das Ergebnis: Ich kann meine Maschine kommenden  Mittwoch abholen. Reserviert auf meinen Namen. Ich bedanke mich artig. Scannendes Funkelauge verabschiedet sich wortlos mit einer Geste – und schenkt mir dann doch einen milden Anflug eines Lächelns!

Es ist Weihnachten.

 

Quellenangabe, bearbeitete Orignalbilder: obs/Netto Marken-Discount AG & Co. KG/Axel Griesch und Delica AG (Delizio/Cremesso)

 

 

Prolog

Ich weiss, ein Prolog gehört an den Anfang. Aber dieser Teil ist für den Kern der Geschichte nicht wirklich relevant. Also nach hinten verbannt. Dennoch ganz spannend. Denke zumindest ich.

Nespresso und Delizio/Cremesso

Nespresso hat mir auf Anhieb gefallen. Doch da ich nach Möglichkeit Nestlé-Produkte meide (das ist eine ganz andere Sache), fand ich Gefallen an den Delizio-Produkten. Ausserdem rangieren in unabhängigen Tests von Kapsel-Maschinen und Kapseln regelmässig Nestlé und Delizio/Cremesso auf den ersten beiden Plätzen.

Das ist nicht weiter verwunderlich, steckt hinter beiden Maschinen derselbe Entwickler. Was damals Nestlés Patentanwälte auf den Plan gerufen hatte. Doch einerseits werden die Kapseln beim Cremesso/Delizio-System umgekehrt eingeführt. Andererseits verwendet Cremesso/Delizio Kunststoff, Nestlé aber Aluminium. Und so hatten die Anwälte des Weltkonzerns das Nachsehen.

Ökologie

Gemäss Studien unabhängiger Institute soll die Ökobilanz von Cremesso/Delizio deutlich besser sein, als jene von Nespresso. Denn Aluminum braucht sehr viel Energie in der Herstellung. Für eine passable Ökobolanz müssten zudem mindestens 70% der Nespresso-Kapseln rezykliert werden. Was aber selbst den drei mitteleuropäischen Recycling-Weltmeistern nicht einmal im Ansatz gelingt.

Für einen Kapselkaffee wird etwa die Hälfte des Kaffepulvers für ein gutes Geschmacksergebnis gebraucht, was die Ökobilanz trotz Kapselmaterial im Vergleich mit den Kolbenmaschinen deutlich aufhübscht. Also ist es eigentlich nicht so wichtig, ob ich Kapsel oder Kolben nehme, der ökologische Fussabdruck bleibt vergleichbar. Vegleichbar gross. Denn es stimmt nachdenklich, dass in jeder Tasse Kaffee 70 bis 140 Liter „virtuelles Wasser“ stecken. Also Wasser, das für Anbau, Verarbeitung etc.benötigt wird. Einfach Mal nach „wasser“ und „kaffeeherstellung“ googeln.

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  1. „Scannendes Funkelauge“ ahahaha 🤣

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