Teufel!

Berlin. Die Stadt der Städte habe ich erst einmal besucht, kurz nach dem Mauerfall. Geschäftlich. Also Flieger – Hotel – Messe – Restaurant – Hotel – Messe … Einen Nachmittag bin ich damals ausgebrochen und habe mich durch das Brandenburger Tor begeben und mir das etwas andere Berlin gegeben. Na, eigentlich war es nichts wirklich Auffallendes, allenfalls etwas kahl.

Erst diesen Herbst habe ich mir Berlin als Ganzes gegönnt. Mit AirBnB-Unterkunft im 5. Stock eines typischen alten Hauses in Wedding. Etwas sonderbar, authentisch – und überraschend sympathisch. Auch wenn mir die sich keilenden Alkoholiker vor dem Netto in der Müllerstrasse dann doch etwas suspekt erschienen.

Eine sehr lebendige Stadt, die viel schneller zu leben scheint, als es Politik und Gesellschaft wahrnehmen können. Die Stadt zeigt mit all ihren Facetten mehr von Menschen und Leben, als es die verzärtelten Schweizer sich vorstellen können. Mit Ausnahme der Bewohner der Kreise 4 und 5 in Zürich vielleicht.

Highlights, derer gibt es viele. Mal ganz abgesehen von der interessanten Mauer- und DDR-Thematik. Es war der Teufelsberg, der es mir angetan hatte. Spätnachmittags, bewölkt, kühl. Natürlich habe ich mich verlaufen und auf dem Drachenberg festgestellt, dass der Teufelsberg etwas weiter drüben steht. User Error …

Dort angekommen – eine andere Welt. Phantastisch, diese Szenerie, die Gebäude und vor allem diese Stimmung – für ein Filmset könnte sich der Regisseur keine spannenderen Ecken, Gebäude, Räume und Aussichten ausdenken. Surreal, spannend-gruselig und meine ganz dicke Empfehlung. Und: die Bilder stellen nur einen müden Abklatsch der Realität dar.

Angesichts dessen, dass unser aller Donald einen schon fast triefenden Schmusekurs mit dem vormaligen BöFei Vladimir Vladimirowich fährt, wirkt die Szenerie auf dem Teufelsberg geradezu grotesk (ach ja, BöFei ist Schweizer Militärjargon und heisst „Böser Feind“ – selbst das Schweizer Militär wirkt verzärtelt 😉 )

Ich frage mich nur, woher der Name des Teufelsbergs kommt. Teufel passt perfekt, so wirkt es auch, unterschwellig, nachwirkend. Aber Berg? Berlin und die Berliner sind aussergewöhnlich, spannend, auch anstrengend und haben vieles, um das nicht nur ich sie beneide. Aber wenn sie diesen Pickel in der Landschaft „Berg“ nennen, dann haben sie eines nicht: Ahnung von Bergen. Es ist nur das Zweite, von dem sie keine Ahnung habe – neben dem Bau von Flughäfen.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Alice Wunder sagt:

    Lieber Sprachraumgenosse! Ich möchte Dich herzlichst darum bitten, nicht mehr so direkt unsere schönen deutschen Lebenslügen in Frage zu stellen. Zum Beispiel haben wir erstens von nichts gewusst. Zweitens heißen allerfeinsten Staub produzierende Mittelklassewagen hier Oberklasselimousine. Und wenn wir, drittens eine mit Grünzeug kaschierte Kriegsschuttaufschüttung (zum Krieg gilt erstens) aus Gründen der Geschichtsvergessenheit lieber Berg nennen, dann soll das von Alpenbewohnern nicht hinterfragt werden. Als Beschwerdestelle fungiert hier die Konstanzer Feuerwehr.

    Gefällt 1 Person

  2. Da ich selber Deutscher bin, aber in der Schweiz geboren und augewachsen, sehe ich mir die Dinge an und schreibe, was ich wahr nehme und darüber denke. Insofern sind es auch meine Lebenslügen. Fühlt sich irgendwie schizophren an 😉
    Die Konstanzer Feuerwehr kann da nix mehr ändern.

    Was aber ist das mit den Mittel/Oberklasselimousinen?

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