Rot, rot, tot

Zugegebenermassen ein ziemlicher alter Tatort. Aber passend. Zumindest als Titellieferant. Und er spielte in Stuttgart. Doch das ist gar nicht so wichtig.

Fussgängerüberweg an einer gut befahrenen, aber im Augenblick wenig frequentierten Kreuzung in Stuttgart. Die vierspurige Hauptstrasse mit Tramschienen, Haltestellen und den beiden zweispurig abgehenden Strasse stellen – zusammen mit den unmittelbar anschliessenden Ein/Ausfahrten zum Discounter des Vertrauens und der Baustelle auf der einen Seite sowie der S21-Baustelleneinfahrt an der anderen Seite – eine gewisse Komplexität dar. Aber die Sonne scheint, das Leben ist gut und ich geselle mich zu der Dame an der Fussgängerampel.

Dann naht er. Der Sprinter, der seine besten Zeiten schon weit hinter sich hat. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit gut ausnutzend kommt er daher gefahren, nicht gerast, aber mit seinem expliziten Fahrstil dennoch Aufmerksamkeit erheischend. Die Ampel schaltet für ihn auf Gelb. Wir werden gleich die Strasse queren dürfen. Der Sprinter ist noch ein gutes Stück weit weg, Bremsen wäre jetzt komfortabel und sanft möglich.

„Der wird doch wohl nicht … ?“ meinte die Dame neben mir an der Fussgängerampel und fasste damit meine Gedanken zusammen.

Doch, er wollte. Und er setzte es in die Tat um.

Kein Zweifel schien ihn zurück zu halten, kein Zucken im Gasfuss war zu erkennen, da wollte sich eine echte Kämpfernatur gegen die grundsätzliche Impertinenz des Rotlichts behaupten. Bei Rot überfuhr der altersschwache Sprinter die Haltelinie an der Ampel, hoppelte etwas unbeholfen – weil deutlich zu schnell – um die Haltestelle-Verkehrsinsel herum, querte dann noch einen weiteren Fussgängerüberweg  und heizte mit gequältem Motorenklang davon. Hurra. 1 Mann + 1 Auto = 1 Primatomobil.

Die Dame neben mir schüttelt den Kopf. Zwei Sekunden später hätten wir Crash-Test-Dummies abgegeben. Als Migrantin wird sie diesen Fahrer nie anzeigen, so viel Vertrauen in die Obrigkeit ist dann doch nicht vorhanden. Denn der Rotlichtignorant fuhr einen alten grün-weissen Polizei-Sprinter und seine sich am Griff klammernde Kollegin schien dies nicht weiter zu stören. Wohlgemerkt, der Polizeisprinter befand sich nicht im Einsatz – auch wenn die Fahrweise einen solchen vorausgesetzt hätte.

Auf das Kennzeichen habe ich doch noch schnell geschiehlt, denn meine Erfahrung mit Mercedes-Fahrzeugen und den Kennzeichen S-PQ xxxx (Werksraser) sind einigen Lesern bereits bekannt. Der Lerneffekt für mich: Die offiziellen Autos des Landes haben ja gar keine zweite Buchstabenkombination, sondern es geht gleich in die Zahlen: S-30xxx.

Ich frage mich, ob ich mit dem Wissen über die restlichen drei Ziffern des Kennzeichens und dem exakten Datum mit Uhrzeit dieser Verfehlung bei nächster Gelegenheit im Gespräch mit den Gesetzeshütern einen Rabatt aushandeln kann …

(Es lacht neben mir. Also eher nicht. Schade. Stuttgart ist nicht Rom. Zumindest in diesem Aspekt.)

 

Bei dem Fahrzeug im Bild handelt sich nicht um das Fahrzeug des Primatomobilisten. Das Bild zeigt ein ähnliches Fahrzeug, deutlich verfremdet. Das Wappen-Logo ist kein Orignal, sondern wurde verfremdet nachgezeichnet.

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